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City Check Rio de Janeiro

Aktualisiert: 1. Juli 2019


Rio verbinde ich mit Lebensfreude, Hilfsbereitschaft und kulinarischen Genüssen. Nach 32 Tagen, die wir in der ehemaligen Hauptstadt Brasiliens verbracht haben, möchte ich meine Erfahrungen teilen, über die zwei größten Vorurteile sprechen und euch für die zweitgrößte Stadt Brasiliens begeistern.

Beste Reisezeit

Da Rio de Janeiro auf der Südhalbkugel liegt, ist hier dementsprechend Winter, während in Europa der Sommer beginnt. Lohnt es sich im brasilianischen Winter nach Rio zu fliegen? Absolut! Tatsächlich haben die Wintermonate die wenigsten Regentage und die Temperaturen pendeln sich zwischen 25 und 30 Grad ein. Für mich die perfekte Reisezeit, denn so war es nicht zu heiß, wenn man Ausflüge unternommen hat. In 32 Tagen Rio hatten wir nur an 5 Tagen Regen und wenige bewölkte Tage. Und wo die wärmeverwöhnten Brasilianer ihre Neoprenanzüge zum Surfen auspacken, empfand ich die Wassertemperaturen als angenehm erfrischend.


Strände


Copacabana


Die erste Woche haben wir an einem, der wohl berühmtesten Strände der Welt verbracht.

Wusstet ihr, dass Copacabana eigentlich nur der Name für den Stadtteil und nicht für den Strand ist? Dieser heißt bei den Einheimischen Princesinha do Mar, was so viel wie Prinzesschen des Meeres bedeutet. Anders als befürchtet, wird der Strand von Copacabana von allen Besuchern sauber gehalten. Da wir uns im brasilianischen Winter befinden, war der Strand zu unserem Erstaunen ziemlich leer. Außer an Sonntagen, wenn die Einheimischen mit ihren Familien ihre Freizeit am Strand genießen. Nachteilig empfanden wir die unzähligen Verkäufer, die wir in der Konzentration bisher noch an keinem Strand gesehen haben. Andererseits könnt ihr dadurch den ganzen Tag am Strand verbringen, ohne euch für die Mahlzeit eine passendes Lokal suchen zu müssen.

Tipp: Behaltet das Wasser ab und zu im Blick. Unsere Sachen wurden von einer Welle über den gesamten Strand verteilt.


Ipanema

Auch wenn beide Strände sehr ähnlich sind, hat uns der Strand von Ipanema mehr zugesagt, allein schon wegen der fesselnden Aussicht auf den Morro Dois Irmãos (lest hier mehr über unseren Aufstieg). Aber das mit Abstand Schönste, was der Strand zu bieten hat, sind hohe Wellen und ausreichend Surfschulen.

Auch hier wird es mit der Kommunikation schwierig, allerdings gibt es einen englischsprachigen Surflehrer, an den ihr von den hiesigen Surfschulen verwiesen werdet.

Ich habe für eine Surfstunde 100 $R (umgerechnet ca.23 €) bezahlt, aber mit ein wenig Verhandlungsgeschick geht das sicherlich auch günstiger.


Tipp: Am späten Nachmittag versammeln sich viele am gegenüberliegenden Ende des Strandes, der eine vorgelagerte Halbinsel zwischen Ipanema und Copacabana ist und Apoador genannt wird. Apoador besteht aus einem kleinen Strand und einem begehbaren Felsen, von dem ihr einen unvergesslichen Sonnenuntergang erleben könnt. Oben befindet sich ein traumhaftes keines Labyrinth aus gepflasterten Wegen, die von riesigen Kakteen umzäunt werden.

Food

Für mich war Rio das kulinarische Paradis schlechthin und auch ihr werdet hier sicherlich auf eure Kosten kommen. Die Straßen sind gesäumt von Açai Läden, einladenden Cafés, Restaurants mit einheimischen Gerichten und überall findet man einen Markt, auf dem man seine Obst-, Gemüse- und Fischeinkäufe erledigen kann. Generell sind die Preise ziemlich günstig, vor allem für regionales Obst. Ich habe mich fast ausschließlich von Papayas und Açais ernährt :) Was bei keiner Mahlzeit fehlen darf, sind gekochte Bohnen, die bereits am frühen Morgen zubereitet werden. Anfangs ist der Geruch nach Knoblauch um 7.oo Uhr etwas gewöhnungsbedürftig, aber bereits nach kurzer Zeit nimmt man es kaum noch wahr.


Fortbewegung

Hauptfortbewegungsmittel in Rio ist wohl der Bus, der mit 4,05 $R, also umgerechnet weniger als 1€, ziemlich günstig ist. Auch wir haben versucht einige Strecken damit zurückzulegen, es jedoch relativ schnell aufgegeben. Leider werden die Haltestellen nicht durchgesagt und ihr müsst euch jedes Mal darauf verlassen, dass der Busfahrer euch rechtzeitig Bescheid gibt. Zur Vereinfachung hatten wir immer Google Maps offen, um uns zu orientieren, wo wir uns ca. befanden. Ihr solltet aber mindest eine abenteuerliche Busfahrt in Rio ausprobieren.

Tipp: Wenn ihr euch eurer Haltestelle nähert müsst ihr an dem blauen Band ziehen, das an der Decke des Busses entlang läuft, damit der Fahrer das Signal zum Halten bekommt.


Neben dem Bus haben wir auch die Metro benutzt. Leider ist das Netz nicht besonders gut ausgebaut, so gibt es eigentlich nur zwei Linien, die durch Rio fahren. Vorteil: dadurch ist es ziemlich easy sich zurechtzufinden. In Ipanema liegt die Haltestelle General Osório und um nach Copacabana zu kommen fahrt ihr am besten nach Cinelândia.


Tipp: ein Wagon ist zu den Hauptverkehrszeiten für Frauen vorgesehen, somit haben Männer hier keinen Zutritt. Ihr erkennt den Wagon an der rosa Farbe (wenn euch die vielen Frauen nicht bereits stutzig gemacht haben :))und der rosa Markierung auf dem Boden, genau an der Stelle, wo der besagte Wagon dann auch hält.



Unser absoluter Favorit und damit klare Empfehlung, ist jedoch Uber. Es ist im Grunde kaum teuer als der Bus und ein riesen Zeitersparnis. Die App ist schnell installiert und selbsterklärend, jedoch braucht ihr hierfür einen ständigen Internetzugang. Nach dem Bus ist Uber wohl die beliebteste Fortbewegungsmethode der Einheimischen. Es ist immer ein Uber in der Nähe, ihr werdet direkt zum Ziel gebracht und müsst euch nicht mit den Sprachbarrieren herumschlagen.

Vorurteile Check


1. Brasilianer sprechen kein Englisch

Wenn ich Rio mit vier Wörtern beschreiben müsste, wäre es "Eu não falo português!" (Ich spreche kein Portugiesisch). Kaum einen Satz habe ich so oft wie diesen gebraucht.

In dieser Megastadt, mit 6,32 Mio. Einwohnern haben wir tatsächlich nur eine Handvoll Menschen getroffen, die englisch gesprochen hat.

Mein Rezept für eine problemlose Verständigung:

150g Einfühlungsvermögen

250g Zeichensprache

120g Vokabeln in petto

Alle Zutaten mit einem Lächeln vermischen und zum Schluss mit einem Schulterzucken nach belieben abschmecken.


2. Rio ist gefährlich

Bereits am zweiten Tag habe ich mich den Cariocas (Bezeichnung für Einwohner Rio de Janeiros) angepasst und sämtlichen Schmuck abgelegt.

Die Gefahr, dass jemand ihn dir vom Hals reißt, soll angeblich hoch sein. Und wo man in Europa nur noch gesenkte Köpfe antrifft, die blind durch die Welt laufen und nur auf ihre Handys starren, packt hier kaum jemand sein Smartphone auf öffentlicher Straße aus. Anfangs konnte ich diese Angst nicht nachvollziehen. Leider mussten wir mitansehen, wie eine Gruppe von 3 Jugendlichen an einem anfahrenden Bus hochgesprungen ist und versucht hat den Passagieren durch die geöffneten Fenster die Handys aus den Händen zu reißen. Großstädte und insbesondere Menschenansammlungen ziehen bedauerlicherweise gerne Langfinger an. Wir wurden auch von mehreren Einheimischen darauf aufmerksam gemacht, dass wir besser auf unsere Sachen aufpassen sollen. Selbstverständlich haben wir zwischendurch mal die Handys gezückt, um Fotos zu schießen, diese jedoch schnell wieder eingesteckt, wenn wir uns beobachtet fühlten. Zudem hat immer einer die nähere Umgebung im Blick behalten, während der andere Fotos gemacht hat. Am Strand von Ipanema und bei den Touristenaktivitäten waren wir auch etwas sorgloser, jedoch nie auf offener Straße. Es wird davon abgeraten, nachts zu Fuß nach Hause zu laufen. Nehmt euch lieber ein Taxi oder ein Uber.

Zusammengefasst würde ich sagen, dass ich meine Sachen mehr als sonst im Blick hatte, mich aber sonst zu keiner Zeit unwohl gefühlt habe.

Favelas

Grundsätzlich fühle ich mich hier sicher, allerdings sind wir auch 2x falsch abgebogen und fanden uns in einer weniger sicheren Gegend wieder. Hört auf euren gesunden Menschenverstand und kehrt einfach wieder um. Zudem rate ich dringend davon ab, eine Favela ohne einen erfahrenen Guide zu besichtigen! Wir haben auf eine solche Tour verzichtet, haben jedoch nach dem Abstieg vom Morro Dois Irmãos die Favela Vidigal auf einer Hauptstraße durchquert. Wir wurden von einigen Anwohnern freundlich begrüßt, Schulkinder kreuzten unseren Weg und wir fühlten uns zu keiner Zeit bedroht, das muss allerdings nicht auf jede der über 1.000 Favelas zutreffen, in denen fast 1/4 der Einheimischen von Rio de Janeiro lebt.

Prepaid Handykarte/ Free Wifi

Für unseren Roadtrip war eine Prepaid Karte unerlässlich, deswegen haben wir die drei größten Anbieter aufgesucht und stellen euch nachfolgend unsere Ergebnisse zusammen.

Die Angebote haben wir im Mai 2019 eingeholt und können dementsprechend mittlerweile abweichen.


Clario - 1 Monat Vertragslaufzeit, 12 GB (3 GB pro Woche), WhatsApp unlimited Datenverbrauch (falls Google das richtig übersetzt hat), Kosten 110 $R

TIM - 1 Monat Vertragslaufzeit, 8 GB, Kosten 215 $R

Oi - 1 Monat Vertragslaufzeit, 2 GB, Kosten 25 $R, für weitere 25 $R kann man das Datenvolumen um 2 GB erweitern


Das Wifi in den Cafés ist unserer Erfahrungen nach generell schlecht. Meistens haben wir uns zum Arbeiten in einem Starbucks platziert, jedoch ist auch hier die Verbindung eher schwach.

Wie immer habt ihr unten Platz für Fragen und Anregungen :)

Mit winterlichen Grüßen aus Rio,

Kathi und Mike


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